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Landesvertretung zeigt ZDF-Dokudrama "Kaisersturz"

Filmpräsentation und Diskussion über die Chancen des Formats "Dokudrama"

Das Foto zeigt: Dr. Ralph Erbar (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands), Christoph Röhl (Regisseur), Annette von der Heyde (ZDF-Redaktion Zeitgeschichte), Prof. Dr. Lothar Machtan (Historiker und Co-Autor), Staatsrätin Ulrike Hiller, Sarah Ryglewski (Mitglied des Deutschen Bundestages) sowie Stefan Brauburger (Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte) | Copyright: BBEE, JPG, 278.5 KB
Das Foto zeigt: Dr. Ralph Erbar (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands), Christoph Röhl (Regisseur), Annette von der Heyde (ZDF-Redaktion Zeitgeschichte), Prof. Dr. Lothar Machtan (Historiker und Co-Autor), Staatsrätin Ulrike Hiller, Sarah Ryglewski (Mitglied des Deutschen Bundestages) sowie Stefan Brauburger (Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte)
© Senatspressestelle / BBEE


Das ZDF-Dokudrama Kaisersturz erzählt von den entscheidenden Wochen bis zum Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik in Deutschland am 9. November 1918. Im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung der Freien Hansestadt Bremen und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) diskutierten der Regisseur Christoph Röhl sowie der Bremer Historiker und Co-Autor Lothar Machtan am Mittwochabend (13.03.2019) in der Landesvertretung Bremen beim Bund in Berlin über Chancen und Herausforderungen des Formats im Spannungsfeld von Unterhaltung, Information und politischer Diskussion.

Die mehr als 100 Gäste in der bremischen Repräsentanz – unter ihnen Schauspieler Hubertus Hartmann sowie Georg Prinz von Preußen – sahen zur Einführung ausgewählte Szenen aus dem Dokudrama, das seit seiner Erstausstrahlung im Oktober 2018 rund vier Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer erreicht hat. Im Zentrum des 90-minütigen Films stehen die Protagonisten des alten Regimes – das Kaiserpaar und die Generäle – sowie die erstarkenden demokratischen Kräfte um den SPD-Parteivorsitzenden und späteren Reichspräsidenten Friedrich Ebert, dessen politische Karriere in Bremen begann.

An der von dem Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, Stefan Brauburger, moderierten Podiumsrunde nahmen neben Regisseur und Autor auch die Bremer Bundestagsabgeordnete Sarah Ryglewski, Annette von der Heyde (ZDF) und Dr. Ralf Erbar (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands) teil. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie sich historische Zusammenhänge informativ und spannend zugleich darstellen lassen und wie viel Inszenierung Geschichte verträgt.

Co-Autor Machtan: dramatisches Drehbuch der Geschichte

ZDF-Redakteurin Annette von der Heyde berichtete von der Entscheidung, im Film komplett auf Experten-Statements zu verzichten. "Alle Hintergrundinformationen mussten in die Dialoge gelegt werden; dies war für uns ein Novum und eine Herausforderung." Regisseur Christoph Röhl betonte: "Wir wollen die Menschen emotional erreichen. Das Fernsehen mit seinen visuellen Reizen ist dafür das perfekte Medium. Alles, was wir zeigen, ist selbstverständlich eine Lesart der Geschichte. Aber die Auswahl ist stets begründet, nicht beliebig."

Der Bremer Historiker Lothar Machtan, der wesentlich an Konzept und Drehbuch des Films beteiligt war, ergänzte: "Unser Ziel war es, uns der historischen Wahrheit anzunähern. Die Dramatik des realen Politdramas war so groß, dass es gar nicht nötig war, zu überinszenieren. Wir haben den Film entlang des Drehbuches entwickelt, das die Geschichte geschrieben hat."

Die Bundestagsabgeordnete Sarah Ryglewski unterstrich die Relevanz, die Dokudramen wie Kaisersturz auch für die heutige Debatte entfalten können. "Der Film zeigt, dass die Zwangsläufigkeit von Entscheidungen, die wir heute annehmen, damals real nicht gegeben war. Nichts musste so passieren, wie es passiert ist. Politik besteht aus Entscheidungsprozessen und wir müssen uns immer wieder fragen, vor welchem Hintergrund politische Entschlüsse fallen."

Der Vorsitzende des Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands, Dr. Ralph Erbar, verwies darauf, dass die Weimarer Republik in den vergangenen Jahren eine Neubewertung erfahren habe. Lange Zeit sei sie ausschließlich unter dem Gesichtspunkt ihres Scheiterns betrachtet worden. "Heute wird die große Leistung der Politiker beim Übergang zur ersten deutschen Demokratie anerkannt."